Morphy Richards Digital Radio


Testbericht: Das erste DRM/DAB-Radio

Das Morphy Richards Digital Radio ist das erste eigenständige Radio für DAB und DRM. Der PC bleibt aus, endlich entfällt das störende Geräusch der Festplatte! Morphy Richards ist übrigens bekannt für Küchengeräte von der Kaffeemaschine bis zum Bügeleisen, aber auch einige (Küchen?)-Radios. Möglicherweise ist der Schwerpunkt des Unternehmens für das Design des Digital Radio verantwortlich, das von der Seite entfernt an einen Toaster erinnert. Aber insgesamt ist das Äußere gelungen. Dieses Radio stelle ich mir gern ins Wohnzimmer.

Dieses Gerät habe ich mir von Ulf Schneider für einen ersten Test geliehen. Er hat es für Akkubetrieb umgerüstet und eine längere Antenne eingebaut. Das DigitalRadio finde ich so überzeugend, dass ich es auf meine Weihnachts-Wunschliste gesetzt habe. Man kann es bei Thiecom bestellen, wo auch viele Informationen und Bilder zum Gerät zu finden sind. Hier ein kurzer Testbericht:

Das Digital Radio sucht automatisch alle Stationen, die sich mit Ihrem Namen zu erkennen geben, also in den Bereichen DAB, FM und DRM. Auch der DRM-Suchlauf ist in endlicher Zeit beendet, weil das Gerät offensichtlich einer internen Frequenzliste folgt, die alle bisher bekannten Stationen enthält. Darin fehlte z.B. noch der neue Sender Langenberg bei 1593 kHz. Nicht gesucht wird nach AM-Stationen, ganz klar, denn sie haben ja keine Stationskennung.

Im Normalfall wird vom Hörer keine Frequenz mehr eingestellt, sondern man wählt eine Station aus einer Liste aus. Auch der erfahrene Kurzwellenhörer ist zunächst unsicher: BBC ist bester Qualität, aber kommt das nun von der Kurzwelle, von UKW, oder gar von DAB? Nur wenn ferne Stationen wie Radio Kuweit auftauschen, ist der Fall klar: DRM auf Kurzwelle. Die Zeit für die Synchronisierung und Dekodierung eines DRM-Senders ist übrigens deutlich kürzer als z.B. in DREAM.

Nach kurzer Orientierung bekommt man ein Gefühl für die gerade aktive Betriebsart. DAB hat eine eigene Art, sich mit einem Plopp zu melden und bietet danach den brillantesten Klang. Das war mein erster Kontakt mit DAB, und ich bin beeindruckt. Übrigens bieten die internen Lautsprecher dank eines Bassreflexrohrs eine erstaunliche Tiefenwiedergabe. Aber erst eine über die Line-Out-Buchse angeschlossene externe Anlage bringt den echten Stereo-Genuss. Da darf es auch ein Röhrenverstärker sein.

Übrigens kommt auch AM nicht zu kurz. Hier muss man jedoch manuell abstimmen. Eine gewünschte Station kann dann aber in die Stationsliste aufgenommen werden, diesmal allerdings ohne Namen, sondern mit der Frequenz: AM: 6075.000 kHz. So ganz nebenbei ist das Radio also auch ein vollwertiger Weltempfänger!

Nur mit der Stabantenne empfängt das Gerät einwandfrei DAB und UKW. Eine große Ferritantenne sorgt für ordentlichen Empfang auf Mittelwelle und Langwelle. Auf Kurzwelle ist die Stabantenne in geschlossenen Räumen naturgemäß etwas schwach. Es reicht aber für die stärkeren DRM-Stationen und im AM-Modus für die üblichen Rundfunksender. Man kann aber auch einfach mit einer Krokoklemme eine zusätzliche Außenantenne an die Stabantenne anschließen. Eine echte Antennennbuchse fehlt leider. Bei sehr leistungsfähigen Antennen muss mit einer Übersteuerung gerechnet werden. Bei einer knapp 10 m langen Drahtantenne konnte aber noch keine noch keine Intermodulation festgestellt werden. Auf Kurzwelle wurde der Empfänger damit richtig munter. An einer gemeinsamen Antenne wurde ein Vergleichstest mit dem Elektor-DRM-Empfänger durchgeführt. Beide waren praktisch gleich stark. Beim Empfang schwacher DRM-Stationen wurden zur gleichen Zeit an beiden Geräten Aussetzer beobachtet, wenn das Signal durch Fading im Störnebel unterging. Was auf dem einen Gerät ohne Unterbrechungen zu hören war, ging auch auf dem andern

Intern arbeitet übrigens das schon im letzten Jahr vorgestellte RS500 Multi-Standard Digital Radio Module von RadioScape mit einem Mehrband-Frontend und einem DSP. Die Abtastfrequenz beträgt 8,192 MHz für DAB und FM und 3,072 MHz für AM und DRM. Aber wie das genau funktioniert und was genau in den HF-Stufen verwendet wird, ist noch unbekannt. Interessant ist allerdings, dass offenbar auch AM- und FM-Signale über den DSP dekodiert werden. Von außen konnte nur festgestellt werden, dass in den AM-Bereichen ein breites Filter und eine wirksame ALC eingesetzt wird. Die ALC reagiert in einem Bereich von +/-25 kHz um die Empfangsfrequenz. Das Modul liefert auch eine Abstimmspannung für die Kapazitätsdiode am Ferritstab.

Der DSP ist übrigens für einen Strombedarf von 700 mA bei 9 V verantwortlich. Das dürfte der Grund sein, warum der Hersteller nur Netzbetrieb vorgesehen hat. Das ist jedoch schade, weil das Gerät ansonsten aufgrund seiner Größe als Portabelgerät verwendet werden kann. Außerdem ist im Freien ein besserer Empfang in den Betriebsarten AM und DRM möglich. Das getestete Gerät wurde jedoch von Ulf Schneider für Akkubetrieb umgerüstet. Mit speziell entstörten Schaltreglern (im Bild erkennbar an der Kupfer-Abschirmung) konnte der Strom auf 420 mA reduziert werden. Mit acht Mignon-Akkus mit 2000 mAh lassen sich Betriebszeiten von vier bis fünf Stunden erreichen. Die Akkus finden reichlich Platz im Gehäuse und werden im Gerät geladen.

Akkubetrieb und Schaltregler

Aufnahmen auf SD-Karten abspielen

Das Gerät besitzt zusätzlich einen Slot für SD-Karten. So kann ein über DRM oder DAB empfangenes Programm spontan oder über einen programmierbaren Timer gesteuert aufgenommen werden. Zum Abspielen hält man auf die AF/Mode-Taste für einige Sekunden gedrückt. Es erscheint dann eine Liste der abspielbaren Dateien. Die gewünschte Datei wird mit dem Drehknopf ausgesucht und die Wiedergabe mit der Start-Taste gestartet.

Man kann die erzeugten Dateien auch im PC verwenden. Aufnahmen von DAB-Stationen liefern ein MP2-File (nicht MP3!), das sich direkt am PC abspielen lässt. DRM-Stationen liefern eine Datei mit der Extension .DRM, wobei der zugehörige Player bisher noch nicht aufgespürt werden konnte. Aber man kann über den PC auch MP3-Dateien auf der SD-Karte speichern. Diese erscheinen dann ebenfalls in der Playlist und können über das Digital Radio abgespielt werden.

Fotos vom Innenleben auch des  RS500 Multi-Standard Digital Radio Module von RadioScape: Wolfgang hat den Empfänger geöffnet und analysiert: http://members.aon.at/drm-radio-amateur/index.html